Die 4 häufigsten Fragen von Architekten zum Holzbau

Als Holzbauer arbeiten wir eng mit Architekten und Planern zusammen. Dies gibt uns die Möglichkeit, Fragen in einer frühen Projektphase anzusprechen. Die häufigsten vier Fragen beantworten wir nachfolgend:

1. Setzt der Holzbau Grenzen bei der Architektur? Was gilt es allenfalls zu beachten?

Die Architektursprache eines Bauvorhabens definiert seine Individualität und drückt die Gedanken und Bedürfnisse von Architekten sowie Bauherrschaft aus. Dieses Prinzip bleibt bei den Holzkonstruktionen gleich. So ist zum Beispiel eine standardisierte Ständereinteilung nicht notwendig, sondern wir entwickeln projektspezifische Lösungen, die Architekten bei der Realisierung ihrer Entwürfe unterstützen. 

Im Vergleich zu Beton- und Stahlkonstruktionen haben moderne Holzkonstruktionen einige Besonderheiten, die im besten Fall schon vom Architekten in den Entwurf integriert werden. Ziel ist es, optimale Lösungen unter Berücksichtigung aller Schlüsselfaktoren wie u.a. Spannweiten, Steigzonen, Energie-Standards und die inneren Oberfläche usw. herauszufinden. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass ein möglichst früher Einbezug von Holzbauexperten am besten hilft, um das Projektteam im Vorfeld vorzubereiten und eine solide Grundlage für die Konstruktion und Planung zu schaffen. Sie gewährleistet später eine genaue und effiziente Umsetzung des Projekts. 

Die sich schnell entwickelnde technologische Entwicklung im Holzbau hat die Grenzen der Holzarchitektur immer wieder verschoben und die Wahrnehmung typischer Holzbauten verändert. Ein gutes Beispiel ist der neue Theater Pavillon Vidy in Lausanne: Die Konstruktion erinnert an japanische Origamikunst, die ohne Befestigungsmittel allein durch Falten die Statik bewahrt. Es ist nicht nur eine markante architektonische Gestaltung, sondern auch ein Meisterwerk des Engineerings. Im Wohn- und Gewerbebereich sehen wir auch weltweit eine Vielzahl von Anwendungen in der Holzarchitektur, insbesondere in niedrigen bis mittleren Gebäuden.

Vidy Theater Pavillon, Lausanne
Vidy Theater Pavillon, Lausanne
Sichtbarer Holzbau im Innenbereich im neuen Vidy Theater Pavillon in Lausanne
Sichtbarer Holzbau im Innenbereich im neuen Vidy Theater Pavillon in Lausanne

2. Ist der Holzbau günstiger oder teurer als der Massivbau? Kann ein ungefährer Quadratmeterpreis angeben werden?

Zuerst: Vergleichen Sie Äpfel mit Äpfel und nicht Äpfel mit Birnen. Eine Low-Budget- oder High-Budget-Konstruktion hat nichts mit dem Baustoff und der Bausystemwahl zu tun, sondern mit den gestellten Rahmenbedingungen: Faktoren wie Qualitätsstandard, Gebäudeenergieeffizienz, Raumgrössen etc. Sowohl in Beton- als auch in Holzbauweise können Bauvorhaben mit höheren oder niedrigeren Budgets realisiert werden. 

Unsere Erfahrungen zeigen, dass sich die Minder-/Mehrkosten eines Holzbaus bei der Erstellung zwischen 0-5% bewegen. Dies ist bei jedem Bauvorhaben projektspezifisch zu eruieren. Betrachtet man die Lebenszykluskosten, von der Baustoffproduktion über den Bau, die Instandhaltung bis hin zur Demontage, Entsorgung und Wiederverwertung, ist der Holzsystembau meist günstiger als der Massivbau. 

Eine richtige Planung ist der Schlüssel zur Wirtschaftlichkeit: Wenn ein Gebäude als Massivbau geplant ist, wird es kostspielig, dieses später in Holzbauweise zu realisieren. Daher empfehlen wir Architekten und Bauherren/Investoren, das Bausystem (Holz-, Massiv- oder Hybridbauweise) zu Beginn der Planungsphase zu entscheiden.

Freilager Zürich, drei sechsgeschossige Wohngebäude, die in einem Jahr realisiert wurden.
Freilager Zürich, drei sechsgeschossige Wohngebäude, die in einem Jahr realisiert wurden.

Theoretisch könnte man einen Bauteil-Quadratmeterpreis angeben. Die Nebenleistungen wie Kran, Transport, Zugang usw. werden jedoch nicht berücksichtigt und dieser Teil der Kosten ist in der Regel nicht projektspezifisch. Um eine relevante und vernünftige Kostenschätzung für den Holzbau zu erstellen, müssen viele Faktoren berücksichtigt werden, wie Grösse, Komplexität, Gebäudestatik, etc. Unsere Ingenieure in der Abteilung Kostenschätzung würden sich freuen, mit Ihnen über Ihr konkretes Projekt zu sprechen.

3. Wie lange lebt eine Fassadenverkleidung in Holz? Wie hoch ist das Behandlungsintervall einer behandelten Holzfassade?

Das A und O sind eine richtige Planung und Ausführung der Details, kombiniert mit periodischen Kontrollen und einem allfälligen Unterhalt. So entstehen keine Schäden, welche die Funktionalität der Fassadenverkleidung beeinträchtigen. Die richtige Wahl der Holzart, das geeignete Oberflächenbehandlungssystem und die Details (z.B. der Abstand zum Erdreich) haben alle grossen Einfluss darauf, wie lange die Holzverkleidung halten kann. Darüber hinaus kann die richtige Wartung die Wartungszeit verlängern. Der Input von erfahrenen Experten kann helfen, die unterschiedlichen Bedürfnisse und Wünsche der Bauherren bei verschiedenen Projekten zu erfüllen. 

Das Intervall der Nachbehandlung behandelter Holzfassade hängt vom jeweiligen Projekt ab. Neben den praktischen Anforderungen wie dem Wetterschutz, soll die Fassade auch Gestaltungselemente erfüllen. Darüber hinaus spielen Standort, Richtung, Umgebung und der konstruktive Holzschutz eine wichtige Rolle. Daher haben viele Faktoren entscheidenden Einfluss auf die Erhaltung der Holzfassade und das Nachbehandlungsintervall. Grunsätzlich kann man von einem Intervall von ca. 5 bis 10 Jahren ausgehen.

«Arche Noa»: Ein Mehrfamilienhaus in Zürich mit abgehandelten Fassadenaufteilung
«Arche Noa»: Ein Mehrfamilienhaus in Zürich mit abgehandelten Fassadenaufteilung

4. Ist eine Dampf-/Luftdichtigkeitsschicht notwendig?

Zuerst muss entschieden werden, welche Konstruktionsvariante angewendet wird. Zum Beispiel ist eine sogenannte Dampfbremse bei der Wahl einer diffusionsoffenen Bauweise nicht notwendig. Die Aufbauten müssen einfach entsprechend geplant, vom Bauphysiker geprüft und freigegeben werden.   

Die Luftdichtigkeit jedes Gebäudes muss den lokalen Bauvorschriften entsprechen (in der Schweiz gemäss SIA-Norm 180). Diese verhindert, dass die warme Innenluft über die konstruktiven Stösse und Verbindungen in der Aussenhaut nach aussen strömen kann, oder die kalte Aussenluft nach innen. Daher müssen alle Anschlüsse an weitere Bauteile wie Fenster, Türen und Elektroinstallationen durch die richtige Planung und Ausführung luftdicht angeschlossen werden. Dies ist für die Einhaltung des Gebäudeenergiestandards und zur Vermeidung von Bauschäden entscheidend. 

Die kombinierte Dampf-/Luftdichtheitsschicht wird in vielen Fällen eingesetzt. Diese Dampfbremse verhindert, dass Feuchtigkeit aus der Innenraumluft in die Wärmedämmung eines Gebäudes eindringt. Somit kann kein Kondenswasser innerhalb der Dämmschicht entstehen.

Weitere holzbauspezifischen Fragen?

Haben Sie zusätzliche Fragen? Melden Sie sich bei uns. Wir freuen uns darauf, Sie bei Ihren Projekten zu unterstützen.

Fotos von oben nach unten: Ilka Kramer, Lausanne; Zeljko Gataric, Zürich